2,5 kW Überschuss auf dem Dach – und das Auto lädt nicht. Warum?
Das wirkt zunächst unlogisch: Die Photovoltaikanlage speist gerade mehrere Kilowatt ins Netz, das Auto steht angeschlossen vor der Tür, trotzdem startet die Wallbox nicht. In vielen Fällen liegt das nicht an einem Fehler, sondern an der Mindestleistung des AC-Ladens.
Beim geregelten AC-Laden wird dem Fahrzeug ein zulässiger Ladestrom signalisiert. Ein üblicher Mindestwert ist 6 A pro aktiver Phase. Daraus entsteht eine technische Schwelle, die beim PV-Überschussladen entscheidend ist.
Die Grundlagen zum solargeführten Laden behandeln wir in Wallbox mit PV laden. Hier geht es speziell um die Frage, warum die Zahl der Phasen so viel ausmacht.
Was passiert ohne Phasenumschaltung?
Angenommen, das Fahrzeug ist dreiphasig verbunden und die Regelung soll ausschließlich vorhandenen PV-Überschuss nutzen. Stehen nur 2,8 kW Überschuss zur Verfügung, liegt dieser Wert unter der dreiphasigen Mindestladeleistung. Die Regelung hat dann nur zwei Möglichkeiten: nicht laden – oder zusätzliche Energie aus dem Netz zulassen.
Gerade morgens, abends, im Frühjahr, Herbst oder bei wechselnder Bewölkung liegt PV-Überschuss häufig über 1,4 kW, aber unter 4,1 kW. Genau in diesem Bereich bringt einphasiges Laden einen großen Vorteil.
Wie automatische Phasenumschaltung funktioniert
Eine geeignete Wallbox beziehungsweise das angebundene Energiemanagement beobachtet den Überschuss am Netzanschlusspunkt. Ist genug Energie für einphasiges Laden vorhanden, startet das Fahrzeug mit einer Phase. Steigt der Überschuss über einen definierten Schwellenwert, kann das System auf drei Phasen wechseln.
Sinkt die PV-Leistung wieder, wird je nach Regelstrategie zurückgeschaltet. Damit kann die Wallbox einen deutlich größeren Bereich der Solarproduktion nutzen, ohne unnötig Netzstrom beizumischen.
Hersteller wie Fronius dokumentieren für entsprechende Systeme beispielsweise eine Regelung ab etwa 1,38 kW einphasig und 4,14 kW dreiphasig. Auch andere Systeme verwenden vergleichbare Schwellen – die konkrete Umsetzung muss aber immer für Wallbox und Fahrzeug geprüft werden.
Warum nicht ständig zwischen einer und drei Phasen springen?
PV-Leistung ist nicht stabil. Eine kleine Wolke kann den Überschuss innerhalb von Sekunden verändern. Würde eine Wallbox bei jedem Grenzwert sofort umschalten, könnte sie an wechselhaften Tagen permanent zwischen Zuständen springen.
Deshalb braucht eine gute Regelung Hysterese und Zeitlogik. Sie wartet zum Beispiel, bis ein höherer Überschuss eine bestimmte Zeit stabil anliegt, bevor auf drei Phasen gewechselt wird. Umgekehrt wird nicht bei jedem kurzen Einbruch sofort zurückgeschaltet.
Das macht die Regelung ruhiger und vermeidet unnötige Ladeunterbrechungen.
Kann jedes Elektroauto während des Ladens die Phase wechseln?
Nein, das sollte nicht pauschal angenommen werden. Fahrzeug, Onboard-Charger und Wallbox müssen mit der konkreten Umschaltlogik kompatibel sein. Manche Systeme unterbrechen den Ladevorgang kurz, schalten in einem definierten Zustand um und starten anschließend neu.
Eine Wallbox mit Phasenumschaltung ist daher nur dann wirklich hilfreich, wenn die Funktion mit dem Fahrzeug beziehungsweise den vorgesehenen Fahrzeugen sauber zusammenspielt. Herstellerfreigaben und die aktuelle Dokumentation sind hier wichtiger als ein allgemeines Werbeversprechen.
11 kW oder 22 kW ist eine andere Frage
Phasenumschaltung wird häufig mit der maximalen Wallboxleistung verwechselt. Dabei geht es um unterschiedliche Dinge. 11 oder 22 kW beschreiben die maximale Ladeleistung. Die Phasenumschaltung entscheidet dagegen, wie weit die Wallbox nach unten regeln kann und welche PV-Überschüsse sie nutzen kann.
Eine 11-kW-Wallbox mit guter Überschussregelung kann für ein PV-System sinnvoller sein als eine 22-kW-Wallbox ohne passende Steuerung. Mehr zur maximalen Ladeleistung findest du in Wallbox mit 11 oder 22 kW?.
Hausverbrauch und Batterie gehören in dieselbe Regelung
PV-Überschuss ist nicht einfach die momentane PV-Leistung. Wenn die Anlage 6 kW produziert und das Haus 2 kW verbraucht, stehen am Netzanschlusspunkt nur rund 4 kW Überschuss zur Verfügung. Lädt gleichzeitig ein Stromspeicher, verändert sich die Situation erneut.
Deshalb ist der Netzanschlusspunkt die entscheidende Messstelle. Ein gutes Energiemanagement koordiniert Hauslast, Batterie und Wallbox, statt jede Komponente unabhängig voneinander auf denselben PV-Strom zugreifen zu lassen.
Unser Fazit: Die untere Ladegrenze entscheidet über viele Sonnenstunden
Bei PV-Ladung ist nicht nur wichtig, wie schnell eine Wallbox maximal laden kann. Mindestens genauso interessant ist, wie langsam und flexibel sie laden kann.
Die automatische Phasenumschaltung erweitert den nutzbaren PV-Bereich deutlich. Statt erst bei gut 4 kW Überschuss zu starten, kann ein passendes System schon um 1,4 kW einphasig laden. Gerade bei kleineren Anlagen und wechselndem Wetter ist das ein echter Unterschied.



