Das Grundprinzip: Der umgekehrte Kühlschrank
Jeder hat eine Wärmepumpe zu Hause – sie hängt nur falsch herum: Der Kühlschrank entzieht seinem Innenraum Wärme und gibt sie hinten an die Küche ab. Die Heizungs-Wärmepumpe macht exakt dasselbe mit vertauschten Seiten: Sie entzieht draußen der Umwelt Wärme und gibt sie drinnen an das Heizsystem ab.
Der scheinbare Widerspruch – Wärme aus 0 Grad kalter Luft gewinnen? – löst sich physikalisch einfach auf: Auch kalte Luft enthält thermische Energie (absolut kalt wäre erst −273 °C). Die Wärmepumpe braucht nur ein Medium, das noch kälter ist als die Außenluft – dann fließt Wärme von selbst hinein. Genau das leistet das Kältemittel.
Der Kältekreis in vier Schritten
- 1. Verdampfen: Das Kältemittel ist bei sehr niedriger Temperatur flüssig und extrem kalt – kälter als die Außenluft. Im Verdampfer nimmt es Umweltwärme auf und wird gasförmig, so wie Wasser beim Kochen verdampft, nur eben schon bei etwa −10 °C.
- 2. Verdichten: Der Verdichter (Kompressor) presst das Gas zusammen – und hier passiert der Trick: Durch die Kompression steigt die Temperatur stark an, wie bei einer Luftpumpe, die beim Aufpumpen warm wird. Aus lauwarmem Gas werden 60, 70 Grad. Nur dieser Schritt braucht nennenswert Strom.
- 3. Verflüssigen: Das heiße Gas gibt seine Wärme im Verflüssiger an das Heizungswasser ab – Vorlauf für Heizkörper oder Fußbodenheizung, Warmwasser für die Dusche. Dabei kühlt es ab und wird wieder flüssig.
- 4. Entspannen: Ein Expansionsventil senkt den Druck schlagartig, das Kältemittel wird dabei wieder eiskalt – und der Kreislauf beginnt von vorn. Rund und rund, viele tausend Mal am Tag.
Die Bilanz: Von den etwa vier Teilen Wärme, die ins Haus fließen, stammen drei aus der Umwelt – gratis – und nur einer aus dem Stromnetz oder vom eigenen Dach.
Warum die Vorlauftemperatur über alles entscheidet
Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt am Temperaturhub – der Differenz zwischen Wärmequelle und Vorlauftemperatur. Von 5 °C Außenluft auf 35 °C Fußbodenheizung zu heben ist leichte Arbeit; auf 65 °C für alte Heizkörper zu kommen, kostet den Verdichter ein Vielfaches an Strom. Deshalb gilt: Jedes Grad weniger Vorlauf spart bares Geld – als Faustregel rund 2,5 % Stromverbrauch pro Grad.
Die gute Nachricht: Auch viele Altbauten kommen mit 45–55 °C aus, oft reicht der Tausch einzelner Heizkörper. Ob Ihr Haus geeignet ist, klärt der hydraulische Blick aufs Heizsystem – mehr dazu in den Beiträgen „Wärmepumpe mit Heizkörpern" und „Wärmepumpe Vorlauftemperatur erklärt". Und dass moderne Geräte auch bei −15 °C zuverlässig heizen, ist längst Praxis – sie tun es nur mit etwas schlechterer Arbeitszahl.
Unser Fazit
Die Wärmepumpe ist kein Wundergerät, sondern angewandte Physik mit 150 Jahren Reifezeit: Sie verschiebt vorhandene Umweltwärme ins Haus und braucht Strom nur als Antrieb – darum schlägt sie jede Direktheizung um den Faktor drei bis fünf. Ob sie auch in Ihrem Haus effizient läuft, entscheidet nicht die Marke, sondern die Auslegung: Wärmequelle, Vorlauftemperatur, Hydraulik.
Genau da setzen wir an: Heizlast rechnen statt schätzen, Vorlauftemperaturen messen statt vermuten, und die Wärmepumpe als Teil des Gesamtsystems mit PV, Speicher und Energiemanagement planen – vom Meisterbetrieb, der Elektrik und Wärme zusammen denkt.

