Eis am Außengerät: erst einmal kein Grund zur Panik
An kalten, feuchten Tagen passiert etwas, das viele neue Wärmepumpenbesitzer überrascht: Auf den Lamellen des Außengeräts bildet sich Reif oder Eis. Kurz darauf verändert sich das Geräusch, der Ventilator kann vorübergehend anders laufen und unter dem Gerät entsteht Wasser.
Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist das grundsätzlich ein normaler physikalischer Vorgang. Der Verdampfer entzieht der Außenluft Wärme. Seine Oberfläche kann dabei unter den Gefrierpunkt abkühlen. Enthält die Außenluft genügend Feuchtigkeit, kondensiert Wasser an den Lamellen und friert dort fest.
Wie Standort und Luftführung grundsätzlich geplant werden sollten, erklären wir in Wärmepumpe richtig aufstellen.
Warum Vereisung die Leistung irgendwann verschlechtert
Eine dünne Reifschicht ist zunächst kein Defekt. Wird sie jedoch dicker, verschlechtert sie den Wärmeübergang und behindert den Luftstrom durch den Verdampfer. Der Ventilator müsste gegen einen immer größeren Widerstand arbeiten und das Gerät könnte weniger Umweltwärme aufnehmen.
Deshalb überwacht die Wärmepumpenregelung ihren Betriebszustand. Erkennt sie, dass Abtauung erforderlich ist, startet sie automatisch einen definierten Abtauzyklus. Die genaue Logik ist hersteller- und modellabhängig.
Wie eine Wärmepumpe abtaut
Bei vielen Luft-Wasser-Wärmepumpen wird für die Abtauung der Kältekreis kurzzeitig umgekehrt. Wärme, die normalerweise ins Heizsystem abgegeben wird, wird dann genutzt, um den vereisten Verdampfer zu erwärmen. Das Eis schmilzt und läuft als Wasser ab.
Buderus beschreibt für entsprechende Geräte, dass der Kältekreis bei niedrigen Temperaturen über ein 4-Wege-Ventil umgekehrt wird und sich das Heizungswasser während des Vorgangs geringfügig abkühlen kann. Die genaue Dauer hängt unter anderem von Vereisung und Außentemperatur ab.
Die Herstellerbeschreibung zum Winterbetrieb findest du beispielhaft in den Buderus Unterlagen zur Abtauung. Für die eigene Anlage gilt immer die Dokumentation des konkreten Modells.
Kondensat: Im Winter kommt mehr Wasser zusammen, als viele erwarten
Beim Heizbetrieb entsteht am Verdampfer Feuchtigkeit; beim Abtauen kommt das geschmolzene Eis hinzu. Je nach Wetter, Gerätegröße und Betriebszustand können während eines Abtauvorgangs erhebliche Wassermengen anfallen. Herstellerhandbücher nennen für einzelne Geräte Größenordnungen von mehreren Litern pro Stunde – diese Werte lassen sich aber nicht pauschal auf jede Wärmepumpe übertragen.
Entscheidend ist deshalb nicht eine feste Literzahl, sondern eine robuste Entwässerung: Wasser darf nicht unter dem Gerät zu einem massiven Eisblock gefrieren, Wege vereisen oder in Richtung Hausfundament beziehungsweise Fassade laufen.
Warum Puffervolumen bei der Abtauung eine Rolle spielen kann
Für das Abtauen braucht die Wärmepumpe kurzfristig Wärme. Je nach hydraulischem Konzept kommt diese aus dem Heizsystem beziehungsweise einem vorhandenen Puffervolumen. Das bedeutet aber nicht, dass jede Wärmepumpe zwingend einen großen klassischen Pufferspeicher braucht.
Entscheidend sind Mindestvolumenstrom, vorhandenes Wasservolumen, Hydraulik und Herstellervorgaben. Mehr dazu erklären wir in Pufferspeicher bei Wärmepumpen.
Was häufige Abtauungen über die Effizienz aussagen
Jeder Abtauvorgang kostet Energie, weil die Wärmepumpe für kurze Zeit keine normale Heizwärme liefert und Wärme zum Enteisen benötigt. Trotzdem ist die Schlussfolgerung „Abtauung ist ineffizient, also stimmt etwas nicht“ falsch. Bei bestimmten Kombinationen aus Temperatur und hoher Luftfeuchte ist Abtauung schlicht unvermeidbar.
Auffällig wäre eher, wenn das Gerät ungewöhnlich häufig und ohne erkennbaren Wettereinfluss abtaut, nicht vollständig eisfrei wird oder unmittelbar wieder massiv zufriert. Dann sollte geprüft werden, ob Luftführung, Verdampfer, Sensorik, Kältekreis, Hydraulik und Einstellungen in Ordnung sind.
Unser Fazit: Abtauung ist Teil des Systems – kein Betriebsfehler
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe muss im Winter mit Feuchtigkeit und Eis umgehen können. Vereisung, Abtauung und Kondensat sind deshalb keine Randthemen, sondern gehören schon in die Planung von Standort, Fundament und Hydraulik.
Wenn das Gerät sauber abtaut und das Wasser sicher abläuft, ist eine Reifschicht an einem kalten Wintermorgen normalerweise kein Anlass für Sorge. Ein dauerhaft vereistes Gerät dagegen sollte nicht mit „Das ist bei Wärmepumpen eben so“ abgetan werden.



