Drei Kennzahlen, drei verschiedene Fragen
- COP (Coefficient of Performance): Das Verhältnis von Wärmeleistung zu Stromaufnahme in einem einzigen Laborpunkt, z. B. „A7/W35" – 7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf. Ein COP von 4,8 heißt: Unter genau diesen Bedingungen macht das Gerät aus 1 kWh Strom 4,8 kWh Wärme. Aussagekraft für Ihre Heizkosten: gering – der Winter besteht nicht aus 7-Grad-Tagen.
- SCOP (Seasonal COP): Der über eine genormte Heizsaison gemittelte COP – Grundlage des EU-Energielabels. Deutlich ehrlicher als der COP und gut zum Vergleichen von Geräten, aber immer noch eine Normrechnung, nicht Ihr Haus.
- JAZ (Jahresarbeitszahl): Die Bilanz der echten Anlage im echten Haus über ein echtes Jahr – erzeugte Wärme geteilt durch verbrauchten Strom, inklusive Heizstab, Warmwasser und aller kalten Nächte. Das ist die Zahl, die auf Ihrer Stromrechnung ankommt.
Der typische Zusammenhang: Die JAZ liegt spürbar unter dem SCOP und weit unter dem Prospekt-COP. Ein Gerät mit COP 5 im Datenblatt kann im schlecht ausgelegten Altbau eine JAZ von 2,8 liefern – und dasselbe Gerät im passenden Haus eine 4,2.
Was die JAZ wirklich bestimmt
Die Rangfolge der Einflussfaktoren überrascht viele – das Gerät steht nicht oben:
- 1. Vorlauftemperatur: Der dominante Faktor. Als Faustregel kostet jedes Grad mehr Vorlauf rund 2,5 % Effizienz – zwischen 35 °C und 55 °C liegt damit fast der Unterschied einer ganzen JAZ-Stufe. Details im Beitrag zur Vorlauftemperatur.
- 2. Auslegung und Hydraulik: Passende Heizlast, hydraulischer Abgleich, richtig dimensionierte Heizkörper, sinnvoll eingestellte Heizkurve. Hier entstehen die stillen Verluste – und die vermeidbaren Heizstab-Stunden.
- 3. Warmwasser-Anteil: Warmwasser braucht 50 °C und mehr und drückt die Gesamt-JAZ – je größer sein Anteil (kleines Haus, viele Personen), desto spürbarer. Legionellen-Programme mit Augenmaß statt täglicher 65-Grad-Aufheizung helfen.
- 4. Wärmequelle und Klima: Erdreich schlägt Luft, milde Region schlägt Höhenlage – am Niederrhein sind die Bedingungen für Luft-Wärmepumpen ausgesprochen gut.
- 5. Das Gerät selbst: Moderne Invertergeräte namhafter Hersteller liegen effizienzseitig nah beieinander – die Unterschiede im Datenblatt sind kleiner als die Unterschiede, die eine gute oder schlechte Auslegung macht.
Unser Fazit
COP verkauft, SCOP vergleicht, JAZ bezahlt: Wer Wärmepumpen beurteilen will, sollte Prospektwerte als das nehmen, was sie sind – Laborpunkte – und die Aufmerksamkeit dorthin lenken, wo die Effizienz tatsächlich entsteht: Vorlauftemperatur, Auslegung, Einstellung. Eine JAZ zwischen 3 und 4,5 ist im Bestand realistisch erreichbar; alles darunter ist kein Schicksal, sondern ein Arbeitsauftrag.
Deshalb beginnt bei uns jede Wärmepumpe mit Rechnen und Messen: Heizlast, Vorlauf-Check, Hydraulik – und nach der Installation mit einem Monitoring, das die versprochene JAZ überprüfbar macht. Effizienz ist kein Prospektversprechen, sondern ein Messergebnis.

