Warum die alte Heizung fast nie die richtige Antwort liefert
In vielen Bestandsgebäuden hängt noch ein Heizkessel mit 20, 24 oder sogar 30 kW Leistung im Keller. Daraus entsteht schnell die Annahme: Wenn die alte Heizung 24 kW hatte, braucht die neue Wärmepumpe ebenfalls 24 kW.
Das ist kein belastbares Auslegungskriterium. Öl- und Gasheizungen wurden früher häufig großzügig dimensioniert. Zusätzlich musste der Wärmeerzeuger hohe Temperaturen und Warmwasser komfortabel bereitstellen können. Das Typenschild sagt deshalb wenig darüber aus, welche Heizleistung das Gebäude an einem kalten Wintertag tatsächlich benötigt.
Eine Wärmepumpe arbeitet dagegen besonders angenehm, wenn sie lange, gleichmäßig und mit möglichst niedrigen Vorlauftemperaturen läuft. Genau dafür braucht man eine belastbare Heizlast.
Was bedeutet Heizlast überhaupt?
Die Heizlast ist die Wärmeleistung, die erforderlich ist, um ein Gebäude bei einer festgelegten Außentemperatur auf der gewünschten Innentemperatur zu halten. Vereinfacht berücksichtigt sie Wärmeverluste über Bauteile und Wärmeverluste durch Luftwechsel beziehungsweise Lüftung.
Eine fachgerechte Norm-Heizlast wird in Deutschland nach DIN EN 12831-1 in Verbindung mit den nationalen Ergänzungen ermittelt. Für eine gute Wärmepumpenplanung ist dabei nicht nur die Gesamt-Heizlast interessant, sondern auch die raumweise Betrachtung.
Warum eine Wärmepumpe nicht einfach „etwas größer“ gewählt werden sollte
Bei klassischen Brennern war Überdimensionierung zwar nicht optimal, ließ sich aber oft vergleichsweise leicht kaschieren. Bei einer Wärmepumpe ist der Modulationsbereich wichtiger. Sinkt der Wärmebedarf unter die minimale Leistung des Geräts, muss die Wärmepumpe irgendwann abschalten und später erneut starten.
Dieses Ein- und Ausschalten nennt man Takten. Ein gewisses Takten ist normal. Problematisch wird es, wenn das Gerät wegen Überdimensionierung, ungünstiger Hydraulik oder falscher Regelung sehr kurze Laufzeiten produziert. Mehr Nennleistung bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Sicherheit.
Heizlast und Vorlauftemperatur gehören zusammen
Zwei Häuser können dieselbe Heizlast haben und für eine Wärmepumpe trotzdem völlig unterschiedliche Aufgaben darstellen. Ein Gebäude erreicht die notwendige Wärme vielleicht mit einer Fußbodenheizung bei niedriger Vorlauftemperatur. Ein anderes Gebäude braucht dafür kleine Heizkörper und deutlich höhere Temperaturen.
Für die Effizienz ist deshalb entscheidend, welche Heizwassertemperatur bei der benötigten Leistung wirklich erforderlich ist. Darum gehören Heizlast, Heizflächen und Vorlauftemperatur immer in dieselbe Planung.
Warum Quadratmeter-Faustformeln nur für eine erste Orientierung taugen
Aussagen wie „50 Watt pro Quadratmeter“ können für eine sehr grobe Vorprüfung helfen. Für die endgültige Auswahl einer Wärmepumpe sind sie zu ungenau. Zwei Häuser mit 160 m² Wohnfläche können wegen Baujahr, Dämmung, Fenstern, Luftdichtheit, Geometrie und Nutzung völlig unterschiedliche Heizlasten haben.
Auch der historische Gas- oder Ölverbrauch kann eine gute Plausibilisierung liefern. Er hängt aber von Wetter, Warmwasseranteil, Nutzerverhalten und Wirkungsgrad der alten Heizung ab. Verbrauchsdaten sind deshalb wertvoll, ersetzen eine technische Betrachtung des Gebäudes aber nicht.
Unser Fazit: Erst rechnen, dann Gerät auswählen
Die Heizlast ist eine der wichtigsten Grundlagen jeder Wärmepumpenplanung. Nicht weil eine einzelne Zahl automatisch eine gute Anlage macht, sondern weil sie verhindert, dass die Wärmepumpe nach Bauchgefühl, altem Kesselschild oder Quadratmeter-Faustformel ausgewählt wird.
Eine gute Planung bringt Heizlast, Heizflächen, Vorlauftemperatur, Modulationsbereich und Hydraulik zusammen. Erst daraus ergibt sich, welche Wärmepumpe wirklich zum Haus passt.


