Die Grundrechnung: einfacher als gedacht
Die Amortisationszeit beantwortet eine einzige Frage: Nach wie vielen Jahren haben die Erträge der Anlage die Investition eingespielt? Die Formel dazu ist simpel:
Amortisationszeit = Investitionskosten ÷ jährlicher Nutzen
Der jährliche Nutzen setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der vermiedene Netzbezug (selbst genutzte Kilowattstunden × Strompreis) plus die Einspeisevergütung (eingespeiste Kilowattstunden × Vergütungssatz), abzüglich der laufenden Betriebskosten. Die Kunst liegt nicht in der Formel, sondern in ehrlichen Eingangswerten.
Beispielrechnung: 10 kWp mit Speicher im Einfamilienhaus
Ein Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch, 10-kWp-Anlage (rund 9.500 kWh Ertrag am Niederrhein) und 8-kWh-Speicher, Strompreis 35 ct/kWh, Einspeisevergütung 7,7 ct/kWh (Stand August 2026):
- Vermiedener Netzbezug: ca. 3.100 kWh selbst genutzt × 0,35 € ≈ 1.085 € pro Jahr.
- Einspeisevergütung: ca. 6.400 kWh eingespeist × 0,077 € ≈ 490 € pro Jahr.
- Betriebskosten: Versicherung, gelegentliche Wartung, Rücklage für den Wechselrichter-Tausch – konservativ ca. 250 € pro Jahr.
- Jährlicher Nettonutzen: rund 1.325 €. Bei einer Investition von beispielsweise 16.000 € ergibt das eine Amortisationszeit von etwa 12 Jahren – ohne Strompreissteigerungen gerechnet.
Steigt der Strompreis über die Jahre, verkürzt sich die Zeit spürbar; die Zahlen sind bewusst konservativ gerundet. Und wichtig: Nach der Amortisation produziert die Anlage noch 15 Jahre und länger – dann nahezu zum Nulltarif. Was Anlagen in verschiedenen Größen kosten, steht in unseren Kosten-Ratgebern für 10 kWp und 15 kWp.
Was 2026/2027 in die Rechnung gehört
Zwei aktuelle Entwicklungen sollte man kennen: Erstens entfällt bei neuen Anlagen die Einspeisevergütung während Stunden mit negativen Börsenpreisen – die Ausfallzeiten werden an die 20-jährige Vergütungsdauer angehängt. Für die Amortisation im Einfamilienhaus ist der Effekt klein, er unterstreicht aber den Trend: Der Wert der Anlage verschiebt sich weiter von der Einspeisung zum Eigenverbrauch.
Zweitens wird über eine EEG-Reform beraten, die die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen ab 2027 durch ein anderes Modell ersetzen könnte – beschlossen ist das noch nicht. Sicher ist: Bestandsanlagen behalten ihre zugesagten Konditionen für 20 Jahre. Wer 2026 in Betrieb nimmt, sichert sich die aktuellen Sätze – Details in unserem Ratgeber zur Einspeisevergütung.
Unser Fazit
Eine sauber geplante und fair bepreiste PV-Anlage amortisiert sich im Einfamilienhaus verlässlich innerhalb ihrer halben Lebensdauer – meist nach 8 bis 13 Jahren, mit Tendenz nach unten bei steigenden Strompreisen und hohem Eigenverbrauch. Misstrauen ist bei beiden Extremen angebracht: bei Verkäufern, die 5 Jahre versprechen, und bei Pauschalurteilen, PV rechne sich nicht.
Wir rechnen die Amortisation mit Ihren Zahlen – Verbrauch, Lastprofil, Dach, Strompreis – und legen jede Annahme offen. Eine Prognose, die man nachrechnen kann, ist die Grundlage, auf der man investieren sollte. Alles andere ist Prospekt.
